Mittwoch, 19 August 2015 Was steckt eigentlich hinter der Ananas-Diät?

Was steckt eigentlich hinter der Ananas-Diät?

Schlank und schön mit Ananas?

Um den Ursprung der Ananas-Diät zu ergründen, muss relativ weit in der Zeit zurückgegangen werden und an einen Ort, der dafür bekannt ist, das schnelles Abnehmen und bei Bedarf auch schnelles Zunehmen Teil der Karriere ist. Natürlich ist hier die Rede von der Traumfabrik Hollywood. Nicht umsonst wird die Ananas-Diät auch Hollywood-Diät genannt, obwohl beide Bezeichnungen nicht dem ursprünglichen Original entsprechen. Ob die Ananas-Diät eine Basis darstellt, um gesund leben und um gesund abnehmen zu können, sowie eine ausgewogene Ernährung darstellt, erfährst du hier von BioNavigator.

Von Chicago nach Los Angeles

Angefangen hat es mit dem Umzug der in Chicago geborenen Judy Mazel nach Kalifornien und ihrem Versuch, eine Schauspielerin zu werden. Das scheiterte unter anderem an ihrem Übergewicht und sie begann, verschiedene Diäten zu testen und letztlich selbst Bücher über Diäten zu verfassen. Im Jahr 1981 gelang Judy Mazel mit dem Buch: „The Beverly Hills Diet“ der große Durchbruch. Es wurde zum Bestseller und das Erfolgsrezept unzählige Male kopiert. Im Grunde propagiert Mazel, die nie eine medizinische oder ernährungstechnische Ausbildung absolvierte, das Prinzip der Atkins-Diät. Neun Jahre zuvor, im Jahr 1972 veröffentlichte der Kardiologe und Ernährungswissenschaftler Robert Atkins sein Buch über die gleichnamige Diät, das sich 15 Millionen Mal verkaufte. In der Atkins-Diät wird vor allem in der 14 Tage dauernden Einstiegsphase die Einnahme von Kohlehydrate weitgehend reduziert, um im Körper die Speicherung von Fett zu verhindern und damit die körpereigene Fettverbrennung anzukurbeln.
Während jedoch Atkins später seine Diät modifizierte und die Einnahme von Kohlehydrate in der Anfangszeit etwas höher setzte, um seinem Ernährungsplan eine bessere Ausgewogenheit zu geben, zeigt sich Mazel in ihrem Buch davon überzeugt, das gerade in der Anfangszeit Kohlehydrate völlig zu meiden sind.

Aus der „Beverly Hills Diät“ wurde im Laufe der Zeit die Hollywood-Diät und dann auch die Ananas-Diät und tatsächlich verordnet Mazel im Original-Diätplan das Essen von Ananas am ersten Tag der Diät für den Morgen und den Mittag, aber schon am Abend sollen es dann Bananen sein. Im weiteren Verlauf der ersten drei Wochen ihres Diätplanes taucht die Ananas immer wieder sporadisch auf, teilt sich jedoch den Ernährungsplan mit einer ganzen Reihe weiterer Früchte wie Papaya, Mango, Wassermelone, Aprikose, Blaubeere, Backpflaumen, Weintrauben und Erdbeeren.
Ab dem elften Tag der Diät kommen langsam Kohlehydrate in Form von Brot und Kartoffeln dazu sowie Nüsse und verschiedene Gemüse. Selbst Butter fehlt ab dem 13. Tag nicht im Diätplan der Judy Mazel und zum 19. und 20. Tag darf es dann auch ein Steak oder ein Hühnchen sein.

Die Beverly Hills Diät war mit einer Million verkaufter Exemplare durchaus ein Erfolg, aber schon im Erscheinungsjahr 1981 fanden Ernährungswissenschaftler einige Kritikpunkte an der Diät von Hazel. Vor allem deren unwissenschaftliche Behauptung, dass die Gewichtszunahme eines Menschen auf unverdauten, im Körper feststeckenden Speisen beruht. Der größte und durchaus berechtigte Kritikpunkt jedoch war die Einnahme von großen Mengen Obst ohne oder mit kaum zusätzlichem Salz und Kohlehydrate, woraus wiederum ein erheblicher Wasserverlust resultiert, der Durchfall, Fieber, Muskelschwäche und einen zu niedrigen Blutdruck zur Folge haben kann.

Die Ananas-Diät

Auf dieser immerhin in Bezug auf Obst abwechselungsreichen Diät basiert wiederum die Ananas-Diät. Dabei haben sich deren Erfinder wohl an einem bestimmten Enzym, dem Bromelain, orientiert, das in der Ananas vorhanden ist und im Stoffwechsel des Körpers theoretisch die Fettaufnahme stoppen könnte. Leider besitzt diese Theorie, wie inzwischen festgestellt wurde, einen Haken. Die in der Ananas vorhandenen Enzyme sind genau dort im menschlichen Körper nicht mehr wirksam, wo sie am wirkungsvollsten wären, im Darm. Die Enzyme werden bereits im Magen deaktiviert. Bleibt noch die unzweifelhaft entwässernde Wirkung der Ananas, die jeder an sich selbst feststellen kann, der einmal größere Mengen Ananas gegessen hat. Aber das können andere Früchte und Gemüse wie etwa Spargel auch. Sicherlich liegt der Erfolg der Ananas-Diät ebenso an der leichten Verfügbarkeit der Frucht, die in den Tropen ganzjährig angebaut wird und in gigantischen Mengen auf den Markt kommt. Im Jahr 2012 wurden weltweit rund 23 Millionen Tonnen Ananas produziert. Das entspricht über 3 kg pro Kopf der Weltbevölkerung, wobei nicht jeder ein Fan der Frucht ist.
Damit wie auch der weiterhin propagierten Wirkung der Enzyme lässt sich eine Diät mit geringem finanziellem Aufwand und einem messbaren Erfolg umsetzen, zumindest in den ersten Tagen, denn in einer Ananas-Diät wird nur Ananas und Wasser zu sich genommen. Das führt in der Folge zu einem hohen Wasserverlust, der im Körper die Folge einer Unterversorgung mit Nährstoffen darstellt. Der Organismus reagiert auf diese Unterversorgung mit dem Abbau von Glykogen. Dabei wird viel Wasser freigesetzt und zusammen mit dem weiteren zu sich genommenen Wasser über die Harnwege abgeleitet. Der Abbau von Glykogen infolge Nährstoffmangel zieht weitere unerwünschte Effekte nach sich. Zum einen den Abbau von Muskelmasse, denn genau dafür ist das nun für den Nährstoffhaushalt verwendet Glykogen im Körper eigentlich gedacht. Zum anderen werden mit dem Wasser Salze und Minerale ausgeschwemmt, die durch die Ananas nicht ausgeglichen werden.

Schnelle Erfolge bei kurzzeitiger Anwendung

Die Ananas-Diät kann kurzfristig dafür eingesetzt werden, Wasser und damit Gewicht zu verlieren. Fett wird damit in den ersten Tagen nicht abgebaut. Natürlich baut der Körper nach einer bestimmten Zeit auch Fette ab, wie bei jeder Ernährung mit einem geringen Kohlehydratanteil. Bei der Ananas-Diät jedoch sind die Folgen der Mangelernährung im Verhältnis zum Fettverlust zu erheblich, als das dies mit dem Begriff „Gesund ernähren“ auch nur im Entferntesten in Einklang zu bringen ist.

Der Jojo-Effekt

Die Ananas-Diät ist nichts anderes als den Körper bewusst einer abrupten Mangelernährung zu unterziehen, wobei dies immer dazu führt, das sich der Körper das zurückholt, was ihm schnell entzogen wurde, es kommt zum berüchtigten Jojo-Effekt.
Jeder Mensch besitzt individuelle Ernährungsgewohnheiten, auf die sich der jeweilige Organismus einstellt. Der Körper lernt, welche Stoffe in welchen Mengen zugeführt werden und stellt sich darauf ein. Dies sind Verhaltenmuster, die sich oft über Jahrzehnte aufbauen. Nun erfolgt eine völlige Umstellung von einem Tag auf den anderen. Das ist ungefähr damit zu vergleichen, wie wenn beispielsweise ein Bilanzbuchhalter nach 20 Jahren am Schreibtisch am nächsten Tag als Holzfäller in die Wälder Kanadas zwangsversetzt wird. In der Regel wird er sich sehr schnell seinen Schreibtisch zurück wünschen. Genauso wünscht sich der Körper seine alte Ernährung zurück und rebelliert gegen den neuen Plan. In den weitaus meisten Fällen werden Ananas-Diäten vor Ablauf der zeitlichen Vorgaben abgebrochen und durch Heiß-Hunger-Attacken ersetzt. Dabei schießt der Körper gerne über das Ziel hinaus.



Gesund ernähren und damit gesund leben

Vielleicht könnte sich der oben erwähnte Bilanzbuchhalter für ein Leben als kanadischer Holzfäller erwärmen, wenn es sich nicht um eine Zwangsversetzung handelt, sondern um eine freundliche Anfrage inklusive einer ausreichenden Zeit zur Umschulung. Genauso sollte auch eine Diät beginnen oder besser eine Ernährungsumstellung. Den Körper langsam auf andere Essgewohnheiten einstellen, um so die Nahrungsaufnahme dem Bedarf anzupassen und dieser Bedarf ist heute weit geringer als zu Zeiten des Jagen und Sammelns. Dabei darf auch nicht vergessen werden, das zubereitete Speisen weitaus energiereicher sind als Rohkost. Bei einem Experiment an Mäusen wurde dies eindeutig bewiesen. Die Forscher verabreichten zwei Tiergruppen je einmal gekochte Speisen und einmal rohe Speisen in genau der gleichen Menge und Art. Danach zeigte sich, dass den mit gekochten Speisen versorgten Mäusen weitaus mehr körpereigene Energie zur Verfügung stand als den Rohkost-Mäusen. Während diese längst schliefen, bearbeitete die andere Gruppe immer noch fleißig ihr Tretrad.

Die Ananas-Diät ist eine sehr radikale Rohkost-Diät, die nur kurzfristige Erfolge bringt, deren sichtbare Auswirkungen durchaus zu Hollywood passen, indem die Wechselfälle des Lebens in der Realität scheinbar genauso schnell erfolgen wie in einem der dort produzierten Filme. An einem Tag leicht übergewichtig, um dann drei Tage darauf perfekt in das Kostüm für den Auftritt auf dem roten Teppich zu passen. Solche Maßnahmen können eine Zeitlang funktionieren, aber sie belasten den Körper in einem unverhältnismäßigen Ausmaß.
Natürlich mag dies nicht in unmittelbaren Zusammenhang stehen, aber die Erfinderin der Beverly Hills Diät, Judy Mazel, starb 2007 im Alter von 63 Jahren an einer peripheren Gefäßerkrankung.

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