Donnerstag, 03 März 2016 Warum man Ernährungsstudien nicht trauen kann

Warum man Ernährungsstudien nicht trauen kann

Wer wünscht sich nicht, gesund zu leben und sich gesund zu ernähren? Und das scheint schwieriger denn je, denn wir haben verlernt, beim Essen auf unsere Intuition zu vertrauen. Wie in jedem Bereich des Lebens heutzutage möchten uns auch hier jede Menge Experten zeigen, wie gesund leben geht und sich gesund ernähren geht und was eine ausgewogene Ernährung ist. Verbraucher werden von der unüberschaubaren Vielfalt an Ernährungsstudien total verwirrt. Hier wird der Zucker verteufelt, da ist das Fett der Krankmacher schlechthin und Hauptverursacher für Übergewicht, wir sollen abends keine Kohlenhydrate mehr zu uns nehmen, weil Kohlenhydrate dick machen. Die einen empfehlen eine fett- und eiweißreiche Ernährungsform wie die Logi-Diät, die anderen eine kohlenhydratreiche Ernährung. Wieder andere sehen den Stein der Weisen in Rohkost. Aber wenn das alles stimmen würde, wozu dann immer neue Studien?

Ein Blick hinter die Kulissen

Macht Zucker wirklich dick und krank? Leiden immer mehr Menschen an Übergewicht, weil sie zu viel, zu fett und zu zuckerhaltig essen? Wenn wir gängigen Studien Glauben schenken, dürfen wir keine Weizenbrötchen und kein Weizenbrot mehr essen, tierisches Fett soll ungesund sein, wir sollen stattdessen lieber kaltgepresste Öle zu uns nehmen, Cholesterin gilt als das Übel schlechthin, so dass viele Verbraucher schon ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihr geliebtes Frühstücksei ab und zu genießen. Es scheint so, dass wir nichts mehr mit Genuss essen dürfen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wurde Ernährung jahrhundertelang nach persönlichen Vorlieben und dem Nahrungsangebot gestaltet, so haben es sich Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht, in unserer Nahrung ständig Krankmacher und Dickmacher aufzuspüren, ungeachtet dessen, dass es klare, stichhaltige Beweise für die unterschiedlichen Theorien und Studien nicht gibt.

Es gibt für alle Ernährungsbereiche Studien, weiß der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, aber daneben es gibt auch Studien, die das Gegenteil beweisen. Für die Verbraucher höchst verwirrend und Pollmer hält 80% dieser Studien schlichtweg für falsch. Ein Beispiel dafür ist die Wirkung von Kaffee auf die Gesundheit. Eine koreanische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Kaffee gut für das Herz ist, das Zentrum für Gesundheit in Österreich hält Kaffee hingegen für ungesund und verweist auf entsprechende Studien. Wem soll man nun Glauben schenken? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass viele Studien nicht primär wissenschaftlichen Zusammenhängen dienen, sondern wohl eher wirtschaftlichen Interessen. Das Zentrum für Gesundheit z. B., das Kaffee als ungesund ansieht, betreibt einen Webshop mit Tees. Wie neutral ist dann eine Studie noch? Die Medizin wusste schon immer, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheiten gibt, gar keine Frage. Doch die Verteufelung bestimmter Lebensmittel und die Häufung von Ernährungsstudien ist neu, so dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass wirtschaftliche Interessen der Hauptgrund sind.

Warum viele Ernährungsstudien mit Vorsicht zu genießen sind

Neben den Interessen der Auftraggeber sollte man auch die Sprache der Studien genauer unter die Lupe nehmen. Häufig gelingt kein klarer Nachweis, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Genuss von Lebensmitteln und dem Auftreten bestimmter Krankheitsbilder und Übergewicht gibt. Letztendlich werden Studien immer zu einem bestimmten Zweck erstellt, um etwas Bestimmtes nachzuweisen. Folglich sind sie auch immer irgendwie einseitig, denn sie blenden andere Kriterien, die vielleicht auch eine Rolle spielen, aus, weil sie darauf ausgelegt sind, eine bestimmte These zu untermauern. Mit Vorsicht sind sie auch besonders dann zu betrachten, wenn Ernährungstipps kombiniert werden mit Kaufangeboten in einem Webshop. Auch gibt es die Allgemeingültigkeit, die Ernährungsstudien vergaukeln, nicht. Ein Beispiel dafür ist die Empfehlung, nicht zu viel Lamm- oder Rindfleisch zu essen wegen des Risikos von Herzerkrankungen. Doch dieser Zusammenhang lässt sich, so Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, wissenschaftlich nicht nachweisen. Er sieht solche Studien kritisch und vergleicht sie mit dem Lesen in einer Glaskugel. Knop sieht die Lösung eher in einem ausgewogenen Verzehr vielfältiger Lebensmittel, die Menschen gerne essen.

Warum Ernährungsstudien wenig aussagekräftig sind

Es gibt Ernährungsempfehlungen und -studien wie Sand am Meer. Aber viele besitzen zu wenig Aussagekraft, als dass man sich nach ihnen richten sollte. US-Forscher nehmen jetzt stärker die Schwächen dieser Studien unter die Lupe und raten vom unkritischen Befolgen dieser Ernährungsregeln ab, weil es sich meistens um Beobachtungsstudien handelt und die Eignung solcher Beobachtungsstudien im Hinblick auf Prävention und therapeutische Empfehlungen eher fragwürdig sind. In der Praxis wird diesen Studien aber eine Allgemeingültigkeit unterstellt, die de facto nicht gegeben ist.

Die Studien sind aus verschiedenen Gründen kritisch zu hinterfragen. Sie können zwar nachweisen, dass bestimmte Konstellationen gehäuft auftreten können, aber daraus lässt sich nicht zwangsläufig ein Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nachweisen. Wenn z. B. eine Studie nachweist, dass bei Frauen, die abends nichts essen, das Schlaganfallrisiko erhöht ist, kann daraus nicht automatisch abgeleitet werden, dass Abendbrot einen Schutz vor einem Schlaganfall bietet. Genau diese Umdeutung wird in der Praxis aber von Ernährungsstudien häufig vorgenommen und diese Entwicklung sehen die US-Forscher höchst kritisch. Darüber hinaus beschränken sich diese Studien meistens auf Beobachtungen, die aber nicht noch einmal überprüft werden.

Auch Prof. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum DKFR sieht diese Beobachtungsstudien kritisch und bestätigt die kritische Sicht der US-Forscher. Er entkräftigt die landläufige Meinung, dass der Verzehr von Obst und Gemüse vor Krebs schützt. Ein solcher Zusammenhang lässt sich wissenschaftlich in keiner Hinsicht nachweisen. Ein bessere Aussagekraft könnten klinische Langzeitstudien liefern, aber sie sind sehr zeit- und kostenintensiv. Bis es solche Erkenntnisse gibt, sollten Verbraucher bei angeblich allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen Vorsicht walten lassen.

Auswege aus dem Dschungel der Ernährungsempfehlungen

Vielversprechendere Erkenntnisse sehen Mediziner in Pharmastudien, die Ernährungsaspekte in ihre Untersuchungen mit einbeziehen. So konnte eine Blutdruck-Studie, an der 26.000 Menschen teilnahmen, nachweisen, dass Salz keine schädliche Wirkung auf den Blutdruck hat und Eiweiß keine Niereninsuffizienz begünstigt. Vielmehr spielen gesunde Ernährungsmuster eine Rolle. Diese sollten nach neuesten Erkenntnissen stärker in den Blick genommen werden, statt Nahrungsbestandteile isoliert zu betrachten. Wer jahrelang auf Butter, Zucker und Kaffee verzichtet hat und den Empfehlungen gefolgt ist, mehr Gemüse zu essen, kann sich jetzt wieder dem Genuss widmen. Neuere Studien besagen, dass dieser Verzicht nicht notwendig ist. Eine Studie mit 600.000 Teilnehmern konnte nachweisen, dass tierisches Fett nicht schädlicher für Herz und Kreislauf ist als pflanzliches Fett.

Auch der weiße Haushaltszucker galt lange Zeit als Übeltäter für Gewicht und Stoffwechsel. Verschiedene Studien konnten aber nachweisen, dass der vermeintlich gesündere Fruchtzucker, der lange Zeit als Ersatz empfohlen wurde, den Blutzuckerspiegel genauso erhöht wie der Haushaltszucker. Alkohol soll dick machen, Rotwein aber gleichzeitig einen Schutz vor Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall bieten. Es gibt solche Zusammenhänge nicht, beim Alkohol spielen das Maß und verschiedene andere Faktoren eine Rolle. Auch die Empfehlung, dass Ballaststoffe vor Darmkrebs schützen sollen, ist kritisch zu betrachten.

Der beste Ausweg aus dem Dschungel der sich zum großen Teil widersprechenden Ernährungsempfehlungen ist, wieder stärker auf den eigenen Bauch zu hören, so wie es vor der Zeit der Ernährungsempfehlungen der Fall war. Uwe Knop nennt das "kulinarische Körperintelligenz". Sich gesund ernähren, gesund leben und gesund abnehmen ist sehr individuell und nicht eine Frage des "Iss dieses und das nicht". Jeder Mensch hat andere Nahrungsvorlieben, die bei einer ausgewogenen Ernährung mit berücksichtigt werden müssen. Essen ist instinktgesteuert und keine Kopfsache. Für das Wohlbefinden ist es wichtig, Essen auch als Genuss zu erleben und nicht nur als Nahrungszufuhr. Laut Knop braucht ein Mensch, der ein gutes Gefühl für seinen Körper hat, keine Ernährungsempfehlungen. Vielmehr sollte man nur essen, wenn man Hunger hat, und dann das, was einem schmeckt und was man gut verträgt. Für eine ausgewogene Ernährung reicht es, abwechslungsreich zu essen.

Gerade, wer gesund abnehmen will, sollte auch wieder lernen, stärker auf seinen Körper zu hören. Die meisten Diäten haben den Nachteil, dass sie zu einseitig sind, und deshalb entweder nicht lange durchgehalten werden können oder zu einem ungesunden Jo-Jo-Effekt führen, wenn man nach der Diät wieder normal ist. Es gibt keine Ernährungsempfehlungen, die für alle Menschen passend sind, dafür sind Menschen zu unterschiedlich.

BIONAVIGATOR

Durch die stetige Erweiterung unseres Services, bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit das persönliche Ziel unter optimalen Voraussetzungen zu erreichen!