Dienstag, 10 Mai 2016 Essstörungen

Essstörungen

Essstörungen sind schwerwiegende Erkrankungen, die ernste Folgen haben oder gar lebensbedrohlich sein können. Was erst damit beginnt, schlanker werden und ein bisschen abnehmen zu wollen, kann sich weiterentwickeln - beenden können Betroffene das nur noch mit professioneller Hilfe. "Du bist, was du isst", trifft für Essgestörte fast noch mehr zu als für jeden anderen Menschen, denn entweder essen sie zu viel, zu wenig oder das Falsche und gefährden damit wortwörtlich ihr Leben. Doch welche Essstörungen gibt es, wodurch werden sie ausgelöst, woran können sie (hoffentlich frühzeitig) erkannt werden und worin besteht der beste Weg, die Essstörungs-Falle wieder zu verlassen?

Anorexia nervosa: Anorexie oder Magersucht

Die wohl bekannteste Essstörung ist die Magersucht oder Anorexie. Traurige Berühmtheit erlangte sie durch die Pro Ana-Organisationen, in denen anorektisch erkrankte, meist junge Menschen sich gegenseitig dazu motivieren, noch dünner zu werden. Sie senden sich dazu gegenseitig Bilder, die sie als Thinspiration bezeichnen, arbeiten mit Motivationssprüchen und strafen einander sogar ab, wenn ein Pro Ana-Mitglied doch etwas isst.

Ursachen der Anorexie

Die Ursachen der Magersucht können eine genetische Komponente haben, stark beeinflusst werden sie allerdings durch das Schönheitsideal der Gesellschaft. Deswegen leiden auch so viele junge Mädchen und Frauen daran. Die Betroffenen litten oft schon vorher an geringem Selbstwertgefühl, fühlten sich zu dick und entwickelten dadurch eine verzerrte Sicht ihres tatsächlichen Körpers. Vorher können sie normalgewichtig gewesen sein, nicht etwa tatsächlich übergewichtig. Viele Anorexie-Patienten stammen aus einem behüteten Umfeld, in der Familie wurden emotionale Themen oder gar Probleme jedoch nie thematisiert - es galt, ein intaktes Bild von sich zu vermitteln. Dadurch öffnen sich gefährdete Patienten auch nicht rechtzeitig, sondern ergreifen drastische Maßnahmen, um so zu sein, wie sie glauben, dass sie sein müssen.

Wodurch äußert sich Anorexie?

Anorektische Patienten sind von einem schlanken Schönheitsideal besessen. Dieses wollen sie mit allen Mitteln erreichen und greifen dabei zu drastischen Maßnahmen. Absichtliches Erbrechen, Abführmittel, nicht selten auch eine begleitende Sportsucht sind kennzeichnend für diese Essstörung. Sie entwickeln Methoden, wie normale Esser zu erscheinen, tatsächlich aber wenig bis gar keine Nahrung aufzunehmen. Gerade junge Mädchen schließen sich Pro Ana-Foren und -Gruppen an, um sich gegenseitig Thinspration-Bilder zu schicken. Anorektiker versuchen, immer schlanker zu werden, dabei geraten sie schnell an die Grenze der Unterernährung - und magern absichtlich weiter ab. Spätestens dann wird die Anorexie zum lebensbedrohlichen Umstand.

Was hilft gegen Anorexie?

Gegen Anorexie und Bulimie wird gerade an Schulen sehr viel Aufklärungsarbeit betrieben. Betroffene benötigen neben einer langfristigen Psychotherapie oft auch stationäre Aufenthalte in Krankenhaus oder Psychiatrie, um gegen die Folgen der Anorexie angemessen behandelt werden zu können. Minderjährige Anorektiker können von ihren Eltern auch zwangseingewiesen werden.

Bulimia nervosa: Bulimie

Die Bulimie ist ähnlich wie die Anorexie - mit dem Unterschied, dass Patienten hierbei große Mengen essen und diese dann wieder erbrechen oder abführen. Anorektiker sind eher dafür bekannt, kaum noch zu essen und eine strenge "Diät" zu befolgen. Analog zur Pro Ana-Bewegung gibt es die Pro Mia-Gruppen, die nach dem gleichen Schema vorgehen und Anhängern Mut zum Weitermachen vermitteln wollen.

Ursachen der Bulimie

Die Bulimie hat sehr ähnliche Ursachen wie die Magersucht. Auch bei dieser Essstörung wurden genetische sowie familiäre Gründe gefunden, weiterhin ist das Schönheitsbild der Gesellschaft für diese Essstörung verantwortlich. Gesund abnehmen geht den Betroffenen erstens nicht schnell genug, zweitens verfallen sie immer wieder der Esssucht. Diese Nahrung wollen sie dann wieder loswerden.

Wodurch äußert sich Bulimie?

Anorexie bedeutet, dass Betroffene fast gar nichts mehr essen. Bei einer Bulimie essen sie zwar lange Zeit auch sehr wenig, dann bricht der Heißhunger über sie herein. Dieses Essen wollen Bulimiker aus schlechtem Gewissen schnellstmöglich wieder loswerden und erbrechen oder nehmen Abführmittel. Oft halten sie sich auch an eine extrem strenge Diät, die sie dann nicht einhalten können, was zur Ess-Attacke führt.

Was hilft gegen Bulimie?

Ähnlich wie bei der Bulimie brauchen Betroffene eine Psychotherapie und oft begleitende stationäre Aufenthalte. Diese Essstörung kann den Verdauungstrakt und weitere Organe - genau wie die Magersucht - schwer schädigen, sodass Patienten medizinische Hilfe brauchen.

Binge Eating Disorder

Eine weniger bekannte, aber doch vorhandene Essstörung ist die Binge Eating Disorder. Betroffene magern zwar weder lebensbedrohlich ab, noch erbrechen sie gewollt ihre Nahrung - sie essen jedoch viel zu viel auf einmal in großen Heißhunger-Attacken. Das Binge Eating hat eine große psychische Komponente und ganz ähnliche Ursachen wie die beiden bekanntesten Essstörung, Anorexie und Bulimie.

Ursachen der Binge Eating Disorder

Betroffene haben meist ganz ähnliche psychische Probleme wie Anorektiker und Bulimiker. Sie haben mit unterdrückten Emotionen zu kämpfen, die ihren Ursprung oft in der Kindheit und Familie haben, die sie mit Essen in großer Menge überkompensieren. Essen bedeutet für sie mitunter Trost, dabei verlieren sie aber das Verhältnis zu einer normalen Portion und einer viel zu großen Essensmenge. Gesund leben wollen kann für Binge Eater dabei durchaus ein erstrebenswertes Ziel sein, doch sie schaffen es nicht, sich regelmäßig an eine bessere Ernährung oder ein Sportprogramm zu halten. Die folgen sind immer weiter voranschreitendes Übergewicht. Dadurch wiederum entwickeln Binge Eater kein positives Verhältnis zu sich und ihrem Körper, was zum Frustrationspunkt werden und zur nächsten Heißhungerattacke führen kann.

Wodurch äußert sich Binge Eating Disorder?

Fast jeder Mensch hat sich schon einmal einen Leckerbissen gegönnt, um sich besser zu fühlen. Das ist in Maßen normal, in Massen nicht. Binge Eater tun das ständig, essen auch ohne sofort erkennbaren Grund große Mengen, ohne das wirklich wahrzunehmen. Meist handelt es sich dabei um schnell verfügbares, fettiges, zuckerhaltiges Essen. Dadurch entsteht über Jahre hinweg Übergewicht, das schnell auch außer Kontrolle geraten kann. Herbeigeführtes Erbrechen ist für die Binge Eating Disorder allerdings untypisch, weshalb diese Essstörung lange als solche unerkannt bleiben kann.

Was hilft gegen Binge Eating Disorder?

Die Probleme eines Binge Eaters liegen wie bei anderen Essstörungen unter der Oberfläche. Deswegen hilft langfristig nur eine Psychotherapie. Häufig brauchen sie keinen stationären Krankenhausaufenthalt, da sie bis aufs starke Übergewicht keine gesundheitlichen Probleme wie dauerhafte Organschäden haben.

Pica-Syndrom

Das Pica-Syndrom ist eine weniger bekannte Essstörung, die vor allem bei psychisch kranken oder dementen Patienten auftritt. Selten kann sie auch psychisch gesunde Patienten betreffen. Das Pica-Snydrom kennzeichnet sich dadurch, dass Patienten ungenießbare Dinge zu sich nehmen, die nicht als Nahrung gelten. Dazu können Erde, Papier oder Kleinteile aus dem Haushalt gehören, aber auch die eigenen Ausscheidungen oder giftige Pflanzenteile. Da das Pica-Syndrom meist bei bereits psychisch Kranken oder bei Patienten auftritt, deren Grunderkrankung die Psyche in Mitleidenschaft zieht, liegt die Ursache auf der Hand. Meist hilft gegen diese Essstörung auch keine Psychotherapie mehr - die beste Behandlung besteht darin, die Umgebung des Patienten frei von giftigen und gefährlichen Gegenständen zu halten, die er möglicherweise essen könnte.

Orthorexia nervosa: übermäßig gesund ernähren

Eine relativ junge Essstörung könnte genauso gut mit einem Trend verwechselt werden: die Sucht nach gesunder Ernährung. Deswegen ist die Existenz des Krankheitsbildes auch umstritten, denn sich gesund ernähren zu wollen, ist zunächst keine schlechte Entscheidung. Dennoch gibt es Menschen, die es damit übertreiben - und sich damit womöglich gefährden.

Ursachen der Orthorexia nervosa

Gesund leben ist seit vielen Jahren mittlerweile ein Trend und ebbt so schnell nicht ab. Den Wunsch nach gesunder Ernährung gab es vereinzelt natürlich schon davor. Problematisch sind manche Vertreter bestimmter Ernährungsweisen sowie die Ernährungsstile selbst. Wenn sie auf eigentlich gesunde Komponenten verzichten, obwohl der Mensch diese braucht, driften sie ins Krankhafte ab. Meist gibt es zu diesen Ernährungstrends einen charismatischen Vertreter, der eine weitere Ursache der Orthorexie ist.

Wodurch äußert sich Orthorexia nervosa?

Die Orthorexie ist der Versuch, entweder gesund abnehmen oder gesund leben zu können, indem die Ernährung akribisch gesund ausgerichtet wird. Ist sie das auch wirklich, liegt kein gesundheitliches Problem vor. Ist sie das allerdings nicht, glaubt der Betroffene aber daran, liegt ein ernstes Problem vor. Oft ist Orthorexia nervosa von einer religiös anmutenden Überzeugung von gesunder Ernährung begleitet, der Betroffene kann somit nur schwer umgestimmt werden. Da viele ehemalige Anorektiker oder Bulimiker orthorektische Züge an den Tag legen, kann dieser Zustand auch als eine Art "Ausstiegsdroge" verstanden werden.

Was hilft gegen Orthorexia nervosa?

Orthorexia nervosa ist kein anerkanntes Krankheitsbild und es hat durch gesunde Ernährung auch noch keine ernsten Krankheits- oder Todesfälle gegeben. Daher ist nicht klar, welche Art von Behandlung dagegen helfen würde, falls der Zustand Leidensdruck oder Gefährdung für den Patienten bedeuten würde. Denkbar ist ein Hang orthorektischer Patienten zur zwanghaften Persönlichkeit, sodass sich hierdurch psychologische Behandlungsmöglichkeiten ergeben könnten.

Anorexia athletica: Sportsucht

Die Anorexia athletica oder Sportsucht ist keine eigenständige Essstörung, sondern eine Begleiterscheinung. Sie ist vor allem bei Anorektikern und Bulimikern anzutreffen, die damit versuchen wollen, abzunehmen. Dabei ist nicht der Sport allein gemeint, sondern Sport über das normale Maß hinaus. Zwanghafter Sport kann außerdem ein Anzeichen für eine Depression sein, die ebenfalls Hand in Hand mit vielen Essstörungen geht. Typisch ist sie auch für Orthorexia nervosa, da Sport in normalem Umfang natürlich nicht schlecht ist. Der Betroffene gefährdet sich dadurch aber möglicherweise selbst, sei es nur durch die schiere Menge an Bewegung oder den Umstand, dass er körperlich durch die Essstörung geschwächt ist und sich bei exzessivem Sport überanstrengen kann. Ähnlich wie bei der Orthorexie hat sich gerade in jüngster Vergangenheit ein regelrechter Fitness-Kult entwickelt, der die Anorexia athletica als Begleiterscheinung von Essstörungen sicherlich noch zusätzlich unterstützt.

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